Ich selbst bin jemand, der bei dem leisesten Geräusch aufwacht. Der tagsüber nicht schlafen kann, weil die Welt viel zu laut ist. Selbst, wenn ich den Raum verdunkle und mir Stöpsel in die Ohren stecke, ist es mir noch zu laut. Da hupt ein Auto auf der Straße, dann geht jemand durch den Hausflur oder in der Nachbarwohnung dudelt der Fernseher.
Umso mehr liebe ich die Ruhe der Nacht. Als ich noch nicht Mama war, habe ich die Abende oft zum Arbeiten und Entspannen genutzt. Heute liege ich abends mit Mina zusammen im Bett und versuche, noch ein wenig zu entspannen, während sie schon neben mir schläft. Und ich bemerke auch bei ihr, dass sie bei Geräuschen sehr unruhig schläft. Dass sie beim kleinsten Klappern oder Rascheln reagiert oder sogar aufwacht. So lange Geräusche um sie herum sind, ist ihr Schlaf nur sehr leicht und sie scannt die ganze Zeit ihre Umgebung.
Da wir in der Großstadt leben ist es sehr schwer, die Geräuschkulisse für sie abzuschalten. Wir können lediglich versuchen, sie zu minimieren. Doch auch das ist eine wahre Herausforderung. Zum einen fühle ich mit ihr und ihrer Hochsensibilität. Zum anderen weiß ich heute mittlerweile jedoch auch, dass sie ein wahres Geschenk für sie sein wird. Und bis dahin kann ich nur versuchen, ihr die nötige Ruhe zu schenken, die sie zum Schlafen braucht.
Ich liege immer neben ihr, wenn sie schläft. So kann ich schnell reagieren, wenn sie mich braucht. Da ich selbst hochsensibel bin, kann ich mich auch sehr leise bewegen und weiß, welche Geräusche ich vermeiden muss, damit sie einigermaßen gut schlafen kann. Sobald sie durch ein Geräusch wach wird, lege ich ihr sanft meine Hand auf ihr Ohr und ihre Wange, so dass sie sich sicher fühlt und in den meisten Fällen wieder einschläft. Ich weiß auch, dass Schläfchen unterwegs im Kinderwagen eher die Ausnahme sein sollten. Und dass für Mina eine Abendroutine extrem wichtig ist.
Zum Glück erkenne ich durch meine eigene Sensibilität auch rechtzeitig, wenn Mina müde wird und kann so ihre kurzen Einschlaffenster gut nutzen, damit ihr auch das Einschlafen so angenehm und entspannt wie möglich gemacht wird. Und natürlich profitiere auch ich davon. Allerdings klappt das alles nur dann, wenn ich selbst auch einigermaßen entspannt bin. Und das ist manchmal eine echte Herausforderung. Besonders tagsüber, wenn ich eigentlich gerade etwas anderes machen wollte, als sie in den Schlaf zu begleiten. Denn während ich es für Mina gut schaffe, ihre Auszeiten zu organisieren, so fällt das für mich oft flach. Und wenn ich unausgeglichen, extrem übermüdet oder frustriert bin, klappt das Einschlafen natürlich gar nicht. Oder es dauert besonders lange, was mich dann natürlich noch mehr frustriert.
Doch letzten Endes klappt das Schlafen bei uns relativ gut und bin ich nach wie vor unglaublich dankbar für unsere Sensitivität und unsere besondere Gabe. Und letzten Endes kann ich Mina mit gutem Beispiel voran gehen und ihr zeigen, wie sie in dieser lauten Welt zurecht kommen und gut in den Schlaf finden kann.