Abhalten… oder: Die Sache mit der vollen Windel.

Als ich heute mit Mina auf dem Spielplatz war, bot sich mir eine etwas skurrile Szene. Neben uns spielten noch zwei Freundinnen mit einem kleinen Jungen sowie eine Oma mit ihrer Enkelin im Sandkasten. Die Kinder waren beide älter als Mina. Plötzlich wehte ein strenges Lüftchen um unsere Nasen und ich bemerkte, wie eine der beiden jungen Frauen von ihrem Sohn die #Windel checkte. Und auch die Oma sagte zu ihrer Enkelin, sie müsse ihr mal kurz in die Windel schauen. Das Verrückte an der ganzen Sache war, dass ich gar nicht auf die Idee gekommen bin, Minas Windel zu checken. Denn wir halten sie ab, seit sie 8 Wochen alt ist. Vor kurzem ist sie ein Jahr alt geworden und wir haben schon seit Monaten keine volle Kacki-Windel mehr gehabt. Und auch die Pippi-Windeln, halten sich in Grenzen.

Erst die Situation heute auf dem Spielplatz hat mir deutlich gemacht, in was für einer Luxus-Situation wir uns eigentlich befinden. Wenn ich mir vorstelle, täglich eine volle Windel von Mina wechseln zu müssen. Und dann vielleicht in dem Moment keine Möglichkeit dafür zu haben. Und auch die andere Seite gibt mir zu denken. Wie unangenehm muss es für ein #Kleinkind sein, mit einer vollen Kacki-Windel herum zu laufen? Gerade, wenn es vielleicht besonders sensibel ist? Noch dazu besteht ja auch die Gefahr, dass sie dadurch einen wunden Po bekommen oder die Windel auch mal nicht dicht hält.

Ich bin damals durch Instagram auf das #Abhalten gekommen. In einem Post sprach jemand davon und wie toll es sich damit doch leben würde. Ich war neugierig und erkundigte mich darüber. Noch nie hatte ich etwas davon gehört. Beim Abhalten geht es darum, dass man das #Baby dahin gehend trainiert, dass es sein großes Geschäft (und zu einem gewissen Teil auch das Kleine) nicht mehr in die Windel, sondern in einen Eimer oder in das Waschbecken oder gleich in die #Toilette macht. Dazu gehört anfangs, das Baby genau zu beobachten und seine Gewohnheiten zu erkennen. Natürlich ist es dabei ein Vorteil, wenn man besonders empathized und einfühlsam ist. Denn es geht darum, heraus zu finden: Wann zeigt es Anzeichen, dass es auf die Toilette muss? Und dann schnell sein, Windel aus und es „abhalten“. Dazu hält man das Baby am besten so, dass es von einem weg schaut, der Rücken des Babys an den eigenen Bauch gelehnt ist und man hält die Beine des Babys so an den Oberschenkeln fest, dass sie angehockt sind. Am besten macht man, wenn das Baby sein kleines und vor allem großes Geschäft macht, noch einen bestimmten Laut, den es dann immer damit verbindet. Zum Beispiel ein „Sssssssssss…“

Wir waren erst sehr skeptisch, aber as soll ich sagen, es hat wirklich ziemlich schnell funktioniert. Mina hat schon nach wenigen Wochen kaum noch Kacki in ihre Windel gemacht. Natürlich gab es anfangs auch Ausnahmen, z.B. in den jeweiligen Entwicklungsschüben. Aber im Großen und Ganzen sind wir nach wie vor begeistert. So müssen wir uns nicht mit vollen Windeln herum schlagen oder Mina unterwegs am Po herum schnüffeln, sondern wir halten sie nach wie vor ab. Und besonders für Mina ist es auch viel angenehmer, nicht in ihrer vollen Windel sein zu müssen. Sie zeigt uns, wann sie muss und wir gehen mit ihr. Und so wird dann auch der Übergang zum #Töpfchen und letztendlich zur Toilette für uns wesentlich leichter.

Leider ist die Methode des „Abhaltens“ vielen Eltern vollkommen unbekannt. Ich selbst bin ja auch nur durch Zufall darauf gestoßen. Und dabei ist sie doch so hilfreich und erleichtert einem das Leben mit einem Baby ungemein. Meiner Meinung nach sollte diese Methode bereits in den Geburtsvorbereitungskursen oder spätestens dann nach der Geburt mit angesprochen werden, damit möglichst viele Mamas und Papas davon profitieren können. Also tragt den Gedanken in die Welt hinaus und berichtet von euren Erfahrungen.

Warum ich immer wieder angepasst reagiere, anstatt meiner Intuition zu folgen.

Heute war wieder mal so ein Tag, an dem ich es nicht geschafft habe, meiner Intuition zu folgen. Folgendes ist geschehen: Wir waren im Garten meiner Eltern zu Besuch. Unsere einjährige Tochter Mina hatte den ganzen Tag an der frischen Luft gespielt und wurde am Nachmittag sichtlich müde. Wir tranken dann alle noch zusammen Kaffee. Danach stillte ich sie noch einmal und eigentlich wollten wir dann zurück nach Hause fahren. Das bedeutet, eine gute Stunde mit dem Auto unterwegs zu sein. Idealerweise schlief sie dann, so dass wir zuhause dann noch in Ruhe Abendessen und sie für das Bett fertig machen konnten. Ich versuchte also Mina noch einmal zu stillen, bevor wir los wollten, doch sie trank nicht, sondern fing ganz munter an mit Spielen. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass jetzt noch nicht die richtige Zeit zum Losfahren sei und wir lieber noch etwas warten sollten. Doch irgendwie ging dann alles ganz schnell und nach einer halben Stunde saßen wir im Auto und waren auf der Autobahn. Und natürlich kam, was ich bereits geahnt hatte. Mina schlief nicht. Stattdessen wurde sie immer lauter und unzufriedener, bis sie schließlich anfing zu Weinen und an meine Brust wollte. Nur mit großer Mühe habe ich es geschafft, sie letztendlich doch irgendwie einigermaßen zu beruhigen, bis wir schließlich wieder zuhause waren.

Im Auto und im Nachhinein habe ich mich dann natürlich gefragt, weshalb ich schon wieder einmal nicht meiner Intuition gefolgt bin. Denn in den ganzen Situationen, in denen ich meinem Bauchgefühl getraut habe, ging meistens alles dementsprechend gut. Ich habe dieses Thema dann auch mit meinem Lebenspartner besprochen und analysiert. Und ich kam zu einem Thema aus meiner Vergangenheit, das sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht.

Letzten Endes siegt in diesen Momenten dann immer die Anpassung. Ich traue mich nicht, meinen Weg durchzusetzen, weil ich nicht (negativ) auffallen oder unbequem sein möchte. Und, weil ich Angst davor habe, was passiert, wenn ich mit meiner Intuition dann doch nicht richtig liege. Und das ist so verrückt. Denn selbst mein Lebenspartner unterstützt mich dahin gehend zu 100 Prozent. Er sagt immer, dass ich die einzige Person bin, die wirklich weiß, was Mina braucht. Und gerade durch meine Hochsensibilität ist diese Verbindung ganz besonders stark. Doch in meiner Kindheit wurde ich dazu erzogen, höflich zu sein und mich gut zu benehmen. Wie oft habe ich Sachen gemacht, die ich eigentlich nicht wollte oder bei denen ich mich nicht wohl gefühlt habe. Einfach aus Angst davor, anzuecken oder nicht gemocht zu werden. Ich habe zwar oft „Nein!“ gedacht, aber es nur ganz selten ausgesprochen. Und selbst, wenn ich mich mal traute „Nein!“ zu sagen, so habe ich mich in diesen Momenten gefühlt, als würde ich etwas falsch machen.

Heute weiß ich, dass es wichtig ist, Grenzen zu ziehen und auch ganz klar zu kommunizieren, wenn ich etwas nicht will. Und genau das versuchen wir auch an unsere Tochter weiter zu geben. Und ich möchte ein gutes Vorbild für sie sein. Und ich möchte vor allem, dass sie sich wohl fühlt und es ihr gut geht. Doch das bedeutet für mich auch, weiterhin an mir zu arbeiten. Meiner Intuition zu trauen und ihr zu folgen. Mich trauen, meine Gedanken und Wünsche auch mit einem guten Gewissen, selbstbestimmt und ohne Angst, zu äußern. Und zu wissen, dass mich mein Partner dabei voll und ganz unterstützt.

Ja, wir sind geprägt durch unsere Kindheit und unsere Erziehung, doch wir sind nicht deren Opfer oder Sklave. Es ist nie zu spät, an sich zu arbeiten und Veränderungen anzustreben. Vor allem nicht, wenn ich weiß, dass ich dadurch Mina ein gutes Vorbild sein kann. Denn ich wünsche mir für sie, dass sie niemals Angst davor hat, ihre Gedanken und Gefühle zu äußern. Dass sie ein selbstbestimmtes und glückliches Leben führt. Und wie kann ich sie dabei am besten unterstützen, als ihr genau das vorzuleben und daran selbst noch zu wachsen.

Meine Tochter und ich sind hochsensibel…

Ursprünglich habe ich damals diesen Blog eröffnet, um eine Art Tagebuch über meine Schwangerschaft und alles Drumherum zu schreiben. Doch damals fand ich kaum Zeit, wirklich etwas auf Papier zu bringen.

Unsere kleine Tochter Mina ist nun mittlerweile 1 Jahr alt geworden. Jetzt im Rückblick fallen mir jedoch viele Dinge auf und es bleibt mir auch die Zeit, über vieles zu reflektieren. Angefangen bei mir selbst. Mein Weg als Hochsensible durch die Schwangerschaft und Geburt sowie das erste Lebensjahr von Mina. Immer in Konfrontation mit mir selbst und meiner eigenen Hochsensibilität. So oft bin ich an meine Grenzen gekommen, war jedoch oft auch überrascht, wie gut alles in manchen Situationen geklappt hat.

Dann kommt der Aspekt dazu, dass Mina auch hochsensibel ist. Aber ganz anders, als ich es bin. Denn bei ihr ist diese extreme Sensibilität gepaart mit einem starken Temperament, was manche Situation zur wahren Herausforderung macht. Und in der Auseinandersetzung mit Minas Hochsensibilität, sind mir rückblickend viele Dinge in meiner eigenen Kindheit und Erziehung bewusst geworden. Somit reflektiere ich mich durch sie auch immer selbst und arbeite somit meine eigene Vergangenheit auf.

Ich führe also nun diesen Blog, um über genau diese Themen zu schreiben. Schwangerschaft, Geburt und erstes Lebensjahr. Alles im Hinblick auf unsere Hochsensibilität und bedürfnisorientiertes Handeln.

Ich wünsche viel Spaß, tolle Erkenntnisse und gute Unterhaltung 🧡